Konsumverzicht, ist das der Weg, wie dem Klimawandel wirklich begegnet werden könnte?

11.09.2019
Von Rainer Brunath
Plastikmüll in den Meeren, Mikroplastik im Schnee auf Grönland, nahezu ungebremster CO2-Ausstoß, Aussterben von Tieren und Insekten, Trinkwasserverlust durch Überdüngung der Böden, Eintrag von Düngemitteln durch Flüsse in die Weltmeere! Die menschlichen Eingriffe in die Natur haben eine Größenordnung erreicht, die unsere Lebensgrundlagen zerstören werden. Und obwohl das inzwischen bekannt ist, fehlt der politische Wille, wirksame Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Die Lobby für die Profitinteressen der großen Konzerne sind mächtiger als die Überlebensinteressen der Menschheit. Eklatantes Beispiel: das politische Hickhack in Berlin um den Verbot von Glyphosat

 

Was muss also geschehen? Darauf gibt es nur eine wirklich überzeugende Antwort: Erst nach einem Systemwechsel werden wirksame Maßnahmen für die Rettung unseres Klimas möglich!

 

Was sind Symptome, was sind Fakten des viel diskutierten Klimawandels? Ist die Entwicklung wirklich so dramatisch, oder ist sie, wie Mr. Trump behauptet nur suggeriert?
Die meisten Klimatologen und Meteorologen  sind sich einig, dass der weltweite Anstieg der Durchschnittstemperaturen menschengemacht ist und mit dem Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre zu tun hat.

 

Zu den Treibhausgasen gehören Kohlenstoffdioxid, Methan und andere Spurengase, die sowohl natürlichen Ursprungs (Vulkane) als auch Ergebnis menschlicher, künstlicher Prozesse (Industrie, Autos) sein können.  Sie sind im Falle des natürlichen Ursprungs Teil von Stoffkreisläufen, (des Kohlenstoffs und Stickstoffs), die meist im Gleichgewicht sind (Entstehung und Einlagerung), d.h. ihre Quantität in der Atmosphäre  bleibt über lange Zeitepochen im Weltmaßstab relativ stabil.

 

Nun aber hat die Menschheit massiv in den beschriebenen Kreislauf eingegriffen, indem sie die eingelagerten fossilen Energieträger durch Verbrennung vergast hat und weiterhin vergast. Damit wurden und werden mehr Treibhausgase freigesetzt als gesamt global durch die Atmosphäre und natürliche Prozesse wieder eingelagert werden konnten, auch dank der unkontrollierten Vernichtung der grünen globalen Lungen in Afrika und Südamerika. Damit kommt es zu einer Anreicherung der Treibhausgase Kohlendioxyd und Methan in der Atmosphäre, womit es zu einer signifikanten Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur in der globalen Atmosphäre kommt.

 

In der Erdgeschichte der letzten Millionen von Jahren gab es Warm- und Eiszeiten, deren Entwicklungen sich meist durch Katastrophen ergaben, z.B. Vulkanausbrüche oder  Meteoriteneinschläge. In der wärmsten Warmzeit der Erdgeschichte war es nur 5 Grad wärmer als heute, was dazu führte, dass die Pole komplett eisfrei waren und der Meeresspiegel deutlich höher. Das stünde, wenn der Anstieg der Durchschnittstemperatur nicht gestoppt wird,  unserer heutigen Zeit auch bevor, verbunden mit Extremereignissen wie Überschwemmungen, Starkregen, Dürre oder Hurrikans. Damit nicht genug: in einigen Bereichen werden Kettenreaktionen ausgelöst, die die Steigerung der atmosphärischen Energiebilanz weiter antreiben, was zum Tauen der Permafrostböden Eurasiens und Nordamerikas führt, die große Kohlenstoffspeicher sind. Bisher binden diese mehr Kohlendioxyd, als alle Pflanzen der Erde zusammen.

 

Massive Kohlendioxyd-Emissionen begannen mit der industriellen Entwicklung, die mit dem Sieg des Kapitalismus über die feudale Gesellschaftsordnung in Europa zusammenfällt. Wer von älteren Menschen von Industriegebieten, z.B. dem Ruhrgebiet, hat nicht noch die schwarzen oder rostbraunen Abgase, die aus Industrieschloten stiegen,  in Erinnerung. Die anfängliche Anreicherung von Kohlendioxyd in der Atmosphäre wurde und wird von der Stahl- und Kohleindustrie, den Kohlekraftwerken und heute zusätzlich durch den massenhaften Auto- und Großschiffsverkehr verursacht. Alternativen zum Individualverkehr, z.B. e-Autos oder eScooter, die hochgelobt werden tragen nicht zur Lösung des Problems „Emissionen“ von Treibhausgasen bei. Die Herstellung der Batterien, deren Entsorgung und das Einsammeln der überall stehen gelassenen eScooter ist in der Gesamtbilanz nicht positiv in Vergleich zum Betrieb des Verbrennungsmotors.     

 

Gibt es für die Menschheit eine Möglichkeit der Umkehr, einen Weg zurück zum Gleichgewicht von Emission und Einlagerung der Elemente der Treibhausgase? Es gibt Grüne Stimmen, die dafür plädieren, dass  der Klimawandel verhindert werden kann wenn alle Menschen ihr Konsumerhalten ändern:  wenn alle weniger Auto führen, wenn alle weniger in den Urlaub flögen, wenn alle weniger Fleisch äßen. Das könnte ein großer Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung auf max.1,5 Grad sein. Es ist leider naiv zu glauben, man könnte durch individuelle Einsichten und und individuelle Verhaltensänderungen den Klimawandel aufhalten. So einfach ist es nicht. Luisa Neubauer, Aktivistin von FFF flankiert solches und twittert: „Ich glaube, vielen Leuten ist es nicht bewusst, wie radikal sich Dinge ändern müssen ...“ Aber sagt sie auch, was sich ändern müsste, wenn sie nicht privaten Konsumverzicht meint? Sagt sie was radikal wäre, um eine umweltpolitische Kurskorrektur zu ermöglichen?  Sprechen wir an, was ggf eine radikale Änderung wäre, eine Änderung, die u.a. zu weniger Treibhausgasemission  führen könnte:

 

1:  alle Großstädte und alle Ballungsräume verkünden ein Stopp-Moratorium auf steigende  Mieten, damit nicht immer mehr Menschen in die Randbereiche ziehen um danach als Pendler jeden Tag mit dem Auto in eben diese Ballungsräume zu fahren. Auf Sicht würden sich bisher verstopfte Magistralen im Berufsverkehr leeren was wiederum weniger Smog bedeuten würde.

 

2:  Alle Siedlungsräume müssten mit den städtischen Zentren durchgängig und dicht mit einem guten und möglichst kostengünstigen, funktionierenden Öffentlichen Nahverkehr verbunden werden. Die Folge wäre eine weitere  Verringerung des individuellen Autoverkehrs und somit eine Entlastung unserer Umwelt.

 

3:  Inlandflugverkehr könnte komplett durch Hochgeschwindigkeits-Schienenverkehr ersetzt werden. Das wäre eine Änderung.

 

4: Radikal wäre es ebenfalls, zum Beispiel Plastikverpackungen jeder Art schlicht und ergreifend durch ein Gesetz einfach zu verbieten. Bisher entstandener Plastikmüll darf bei Strafe nicht mehr nach Südostasien exportiert werden. 

 

5: Warenferntransport sollte generell auf die Schiene verlegt werden. Ununterbrochen lange LKW-Schlangen auf den Autobahnen sind inzwischen eine Katastrophe. Da alle LKW´s mit Diesel fahren, sollte das eine erhebliche Entlastung der Umwelt sein.

 

6: Weltweiter Warentransport muss zurückgestuft werden. Ökonomische Globalisierung und damit verbundene biologisch schädliche Hafenerweiterungen sind keine unveränderliche, nicht korrigierbare Tatbestände. Sie können durch lokale, regionale Wirtschaftskreisläufe ersetzt werden.

 

7:  Ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf allen Autobahnen ohne Ausnahme würde dazu führen, dass mehr Fernreisende auf die Bahn umsteigen, die weiter auszubauen ist, bei günstigen Tarifen.

 

8: Der größte Klimerkiller ist wer?  Das Militär. Generäle wollen ihr Spielzeug, ihre Waffen ausprobieren. Dafür führen sie u.a. Kriege. Es wäre also konsequent, den größten und außerdem nutzlosen Klimakiller auszutrocknen. Mit den frei werdenden Mitteln könnte man z.B. nachhaltige Energiesysteme finanzieren.

 

9:  Die unsere Umwelt schädigenden Großunternehmen müssen nach und nach vergesellschaftet werden, damit Eingriffe in die Produktion seitens der Öffentlichkeit künftig möglich werden, damit strukturelle Auffangsysteme für freiwerdende Arbeitsplätze geschaffen werden können. Profit darf nicht mehr der Maßstab allen Wirtschaftens sein, sondern der öffentliche Gebrauchswert. Beginnen könnte man mit den Energiekonzernen um die  notwendige Schließung von Braunkohlegruben und Kohlekraftwerken durchzusetzen.

 

Meinte Luisa Neubauer solches? Oder meint sie Konsumverzicht?  Nur wo ist der zu holen, denn den gibt es sowieso schon für  40 Prozent der Bevölkerung. Dieser Anteil hat  sogar noch anziehende Tendenz aufgrund steigender Arbeitslosigkeit. Diese Bevölkerungsgruppe, die ohnehin finanzschwach ist und darauf angewiesen ist mit dem wenigen Geld, das zur Verfügung steht, sparsam umzugehen kann ihre Lebensgewohnheiten nur schwer umstellen, denn sie verbrauchen ihre finanziellen Möglichkeiten fast vollständig für ihre Grundbedürfnisse.

 

Wenn also der freie Markt, so z.B. Konsumverzicht, die Quote der Treibhausgas-emmissionen nicht oder unwesentlich senken wird, dann sollte bei der CO2-emittierenden Produktion von Waren eingegriffen werden. In welchen Ländern also entstehen Treibhausgase durch die Produktion industrieller Güter?
Zuerst sind es die  großen Industriestaaten, so die USA,  China und Indien, die viel fossiles CO2 freisetzen für Produkte die hauptsächlich für Europa und die USA bestimmt sind. Und in diesen Staaten sind es die größten Industriekomplexe der Welt, die mehr als 70 Prozent der Treibhausgase produzieren.
   
Welche Konzepte schlägt nun, in Bezug auf die oben beschriebenen Erkenntnisse,  die deutsche Politik vor? Die kompetentesten Antworten erwarten wir von den Grünen.   Sehen wir uns das grüne Programm an:
1: Wir machen Deutschland zum Vorreiter beim Klimaschutz!

 

2: Wir wollen die Wirtschaft ökologisch modernisieren, denn Nichthandeln wird teurer als mutiges Vorangehen!

 

3: Der Wettbewerb um die besten Lösungen zur Bekämpfung der Klimakrise spornt uns an, neue und bessere Technologien zu entwickeln.

 

4: Saubere Energie, Ausbau der Erneuerbaren, Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohle: Ab 2030 wollen wir unseren Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien decken. Um den Kohleausstieg endlich einzuleiten, müssen die 20 dreckigsten Kohlekraftwerke sofort vom Netz genommen werden!

 

 5: Die Kohle kommt dann bei den restlichen Kraftwerken nicht aus Deutschland, sondern vor allem aus Lateinamerika, wie heute schon für das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg!

 

6: Mit einem Fonds für den Strukturwandel schaffen wir einen sozialverträglichen Ausstieg und neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze!

 

7: Finanzmittel in klimafreundliche Alternativen umschichten!

 

8: In die Preise für Güter und Dienstleistungen soll einfließen, wenn sie Umweltschäden anrichten!                                                                                                        

 

9: CO2 Bepreisung einführen: Durch einen CO2-Mindestpreis im Emissionshandel von 40 Euro/Tonne sorgen wir dafür, dass sich Investitionen in Klimaschutz betriebswirtschaftlich lohnen und die Natur nicht länger die Zeche zahlt!

 

Alles schön und gut, aber der Markt und eine Steuer, eine CO2-Steuer,  soll alles richten. Ist das wirklich der richtige Griff? Trifft das nicht wieder die sozial Schwachen? Die Reichen, die Eigentümer der Fabriken,  können damit umgehen, würden weiterhin dicke Autos fahren und immer noch fliegen. Die Profite der Konzerne werden ja nicht besteuert (Beispiel Apple in Irland), sondern der Konsum. Wenn es also, gelinde gesagt naiv ist, zu glauben, Marktmechanismen würden es schon richten, was ist dann von den anderen Forderungen der Grünen zu halten?
1999 waren sie mitverantwortlich für den Krieg im damaligen Jugoslawien. Und in der Regierung zusammen mit der SPD haben sie die Sozialsysteme in Deutschland reformiert d.h. abgebaut und zum Beispiel Hartz IV eingeführt. Sind solcherart die Perspektiven, die uns mit den Grünen erwarten?

 

 

 

Hamburg Neugraben, 6.9. 2019

 


 

Verweise