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Strache in Israel

Es wächst zusammen, was zusammen gehört

17. Dezember 2010
Antiimperialistische Koordination (AIK)
Der Trend nach 1989/91 zeichnete sich klar ab. Die verbliebenen Träger des Antisemitismus in Westeuropa, im Kern die radikale Rechte, wandte sich schrittweise immer mehr Israel zu. Dies vollzog sich im Gleichschritt mit der Inthronisierung des Islam zum neuen Hauptfeind. Antiislamische Hetze betreibt Strache und die FPÖ schon lange. Nun zieht sie nach und tun es ihren europäischen Bundesgenossen gleich: die Hassprediger entdecken neuerdings ihre Liebe zu Israel.

Um klar zu machen wie der Hase läuft, begab sich Strache schnurstracks in die von Israel besetzten Gebiete. Damit signalisierte er, dass er die zionistischen Siedler dabei unterstützt, wie sie den Palästinensern das Land wegnehmen, ihrer Lebensgrundlage berauben, um sie schließlich ganz zu vertreiben. Dann traf er sich mit einem erlesenen Kreis europäischer und israelischer Rechtsradikaler in Ashkelon nahe am Gazastreifen um über den „Kampf gegen den islamischen Terror“ zu beraten. Damit hat Strache ganz die Bush/Netanjahu-Doktrin übernommen, gegen die er einst vorgab zu opponieren.

Der Chef der Israelitischen Kultusgemeinde Muzikant versuchte sich sogleich der unerwünschten Umarmung zu erwehren (denn er setzt ganz selbstverständlich das Judentum mit Israel gleich). Ficht er doch seit Jahren eine Fehde mit der FPÖ aus, bei der er die rechtsradikalen und antisemitischen Wurzeln der Partei (mit Recht) aufzuzeigen versucht.

Doch das wird ihm auf Dauer nicht gelingen, denn die Verbindung zwischen Zionismus und islamophober Mobilisierung ist strategischer Natur. Sie besteht in der Quintessenz in der Verteidigung der westlichen Vorherrschaft, des (Neo)kolonialismus, dessen Vorposten Israel ist.

Zionismus und Nationalsozialismus wiesen mit ihrem Rassismus immer schon Ähnlichkeiten auf. Nicht umsonst waren die Zionisten die einzigen politisch organisierten Juden, mit denen die Nazis kooperierten und denen sie ab und an sogar Respekt zollten. Denn beide verfolgten mit der radikalen Trennung von Deutsch- und Judentum das gleiche Ziel. Doch der Völkermord an den Juden machte sie trotz aller Ähnlichkeit dennoch zu Gegnern und das wirkte einige Jahrzehnte nach. Indes machen die Ähnlichkeiten die Analogie nicht total. Sie soll keinesfalls verwischen, dass die Juden die Opfer und die Nazis die Täter waren.

Zudem kommt, dass die westeuropäischen Eliten letztlich bis zur Wende, jedenfalls aber zumindest bis in die frühen 70er Jahre, in antikommunistischer Funktion die historische Rechte hofierten und sich in Reserve hielt (System Gladio). Damit blieb auch deren Ideologie des Antisemitismus lange salonfähig.

Nebenbei bemerkt: diejenigen, oder die Vorläufer jener, die sich heute staatstragend als Antifaschisten gebärden und ihre Unterstützung für Israel damit rechtfertigen, hielten sich früher nur zu gerne ihre Kellernazis. Antifaschismus war ihnen als kommunistische Gefahr ein Gräuel. Währenddessen diejenigen, die damals wie heute die Palästinenser unterstützten, auch jene waren die gegen den Kryptofaschismus der proamerikanischen Eliten aufstanden und auch deren bisweilen gar nicht so versteckten Antisemitismus anklagten.

Doch nach 1989/91 veränderten sich die politischen Verhältnisse grundlegend. Die Sowjetunion war von der Landkarte getilgt, die kommunistische Gefahr gebannt. So die Kellernazis nicht schon verschieden waren, war ihr Dienst getan. Nun konnte man sich wohlfeil antifaschistisch geben. Israel wurde von den Eliten im Schlepptau der USA von Anfang an unterstützt, aber erst jetzt konnte man dafür den Holocaust voll instrumentalisieren, denn davor sprach man lieber nicht zu viel von diesem.

Ebenso wandelte sich das herrschende Narrativ über das Judentum. Die 2000 Jahre von christlicher Seite zelebrierte Feindschaft machte in weniger als zwei Jahrzehnten der heute selbstverständlichen Rede von der jüdisch-christlichen Zivilisation Platz. Den Antisemitismus tilgte man aus dem Gedächtnis und wo das nicht möglich ist, meint man ihn mit Israelunterstützung sühnen zu können. In der Mittelschichtgesellschaft angekommen und in den Eliten gut verankert, eignet sich das Judentum im Westen nicht mehr als Feindbild, wo kulturelle Differenz mit sozialer Degradierung einhergehen muss.

Der ausgeschlossene Dritte ist der Islam. Die Judeophilie geht mit einer rapide anwachsenden Islamophobie einher. Der Moslem ist der neue Feind, der sich ideal eignet: er ist kulturell anders und sozial untergeordnet. Während den Juden kollektiv Bolschewismus (die anachronistische jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung) unterstellt wurde, sind nun Moslems nicht nur barbarisch und unaufgeklärt, sondern auch aggressiv und terroristisch und bedrohen damit die geläuterte westliche Welt mit ihren überlegenen Werten. Man sieht: der Antisemitismus hat in der Islamophobie einen würdigen Nachfolger gefunden.

Der dahinter liegende Mechanismus ist der gleiche: die Herrschaft der westlichen kapitalistischen Eliten im Inneren und des imperialistischen Westens über die Welt braucht eine starke ideologische Rechtfertigung. Das ist seit Anbeginn ein Rassismus, der sich zwischen Biologismus und Kulturchauvinismus bewegt. Er macht den (Neo)kolonialismus mit all seinen Massakern und Kriegen für den Erhalt der Weltherrschaft erst möglich.

Israel und der Zionismus sind dabei das legitime Kind Europas. Letztlich müssen die muslimischen Araber weichen, weil sie Barbaren sind, so wie alle sonstigen Untermenschen auf der Welt, die sich gegen die westliche Herrschaft auflehnen. Da sind sich Strache und Netanjahu, Bush und Sarkozy und ihre Vorläufer in den letzten 300 Jahre Kapitalismus allesamt einig.

Auch wenn der Zionismus auch von links gespeist wurde, so sind die Ziele der menschlichen Emanzipation, wie sie von der französischen und russischen Revolution in die Geschichte gebracht wurde, mit ihm unvereinbar. Der Zionismus bedeutet Kolonialismus und kann damit nur rechts, reaktionär und rassistisch sein. Wenn Strache &Co nun den Zionismus umarmen, dann wächst zusammen, was zusammen gehört.

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