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UNAC conference for peace in St. Paul

1. Mai 2024
Vom 5. bis 7. April 2024 fand in St. Paul (Minnesota) die von US-amerikanischen Aktivisten organisierte Friedenskonferenz der United National AntiWar Coalition (UNAC) statt. Einige der Organisatoren waren auch auf der vorletzten Friedenskonferenz im Oktober 2023 in Rom und sind uns freundschaftlich verbunden. Ich habe mich entschlossen der Einladung zu folgen, um mir ein Bild der US-amerikanischen anti-imperialistischen Szene zu machen.

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Am Freitag Nachmittag trafen dann die ersten Aktivisten der ca. 400 Teilnehmer aus allen Teilen der USA und Kanada ein. Im Vorraum waren Stände verschiedener Gruppierungen aufgebaut mit allerlei Lesematerial, Sticker und bedruckten Kapuzenpullis die sich vornehmlich mit den Themen Palästina und Kuba beschäftigten. Sehr beliebt war ein mit “Divest from Apartheid” bedruckter Hoodie des Minnesota Anti-War Committee und ich bin mit einem der Mitglieder ins Gespräch gekommen. Dabei handelte es sich um einen französischen Aktivisten der wegen seiner Partnerin nach Minnesota ausgewandert ist. Als ich ihn fragte ob er jedes Jahr seine Familie in Frankreich besucht, hat er nur müde gelächelt und geantwortet wie schön das wäre. Leider hat er nur zwei Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr und in den USA gibt es auch noch das sogenannte “Sick Leave”. Jeder Arbeitnehmer hat fünf bezahlte Krankheitstage pro Jahr, weitere Fehltage werden vom bezahlten Urlaub abgezogen, d.h. der Jahresurlaub kann sogar kürzer als zwei Wochen ausfallen, daher schafft er es nur alle 5 Jahre seine Heimat zu besuchen. Für US-Amerikaner sind 4 bis 6 Wochen Urlaub und unbegrenzte Krankheitstage wie in Europa ein Wunschtraum.

Mehr als 50 Gruppierungen nahmen an der Konferenz teil, u. a. Black Alliance for Peace, US Palestinian Community Network, American Muslims for Palestine, Veterans For Peace, Green Party Action Committee, Just Peace Advocates from Canada, Sanctions Kill Campaign, China-US Solidarity Network, Freedom Road Socialist Organization (FRSO), Workers World Party, Party of Communists-USA. Die Gastgeber der Konferenz waren u.a. Minneapolis-based Women Against Military Madness (WAMM), Twin Cities Students for a Democratic Society (SDS) und Students for Justice in Palestine. Unterstützt wurden sie von lokalen Gruppierungen wie Bethlehem Neighbors for Peace, Bronx Antiwar Coalition, Virginia Defenders, New Orleans Stop Helping Israels Ports (NOSHIP).

Joe Lombardo und Ajamu Baraka

Joe Lombardo und Ajamu Baraka

Dann ging es in den Konferenzsaal wo Ajamu Baraka (Black Alliance for Peace) und Joe Lombardo (Koordinator UNAC) ihre Begrüßungsansprachen hielten und das Programm für das Wochenende erläuterte. Bei Sonnenuntergang wurde dann gemeinsam das Fasten gebrochen und es gab noch eine kleine palästinensische Musik-Performance. Auffallend war die große Anzahl an Palästinensertüchern, fast jeder der 400 Teilnehmer trug eine Kufiya oder zeigte anderweitig seine Solidarität mit Palästina, z.B. durch Pins in rot, schwarz, weiß, grün.

Am Samstag ging es dann endlich los und es wurde zuerst über Palästina gesprochen, das aktuell bewegendste Thema. Das Motto “End all US aid to Israel” war bereits eine der Forderungen bei der Gründung der UNAC vor 15 Jahren. Ein weiteres Thema war “No to NATO”, die Kritik an der feindseligen Haltung der USA gegenüber China und die Diskriminierung von Minderheiten durch die US-Regierung.

Lautaro Sandino

Lautaro Sandino

Der Botschafter Nicaraguas in den USA, Lautaro Sandino, hielt ebenfalls eine Rede und löste tobenden Applaus aus als er erwähnte, dass Nicaragua die BRD vor dem internationalen Gerichtshof wegen seiner Waffenlieferungen an Israel verklagt. Er erklärte auch warum Nicaragua nicht Israel oder die USA direkt anklagen. Seine Begründung lautete, dass diese Staaten kein Problem damit hätten wenn sie vom IGH verurteilt werden, die BRD jedoch schon. Weitere Redner waren Mnar Adley mit einem bewegendem Bericht über das Schicksal ihrer Familie in Jerusalem während der 90er Jahre, Olga Sanabria Davila aus Puerto Rico und William Camacaro der Alliance for Global Justice referierte über die US-Interventionen in Lateinamerika und die Rückkehr des Diplomaten Alex Saab nach Venezuela nachdem er unter Folter in US-Haft litt. Ein weiteres Thema war das aggressive Verhalten der USA gegenüber China mit mehreren Rednern dazu.

Am Nachmittag verteilten sich die Aktivisten auf insgesamt vier Räume, um an Workshops zu den Themen “Der drohende Krieg gegen China”, “Friedliches Miteinander auf dem amerikanischen Kontinent”, “Keine Nuklearwaffen” und “Kanadische Anti-Kriegs und soziale Gerechtigkeitsbewegung”.

Danach gab es ein zweites Set an Workshops zu “Palästinabewegungen in den USA”, “Smash Kop Cities – gegen die Überlegenheit der weißen Rasse” und “Sanktionen und hybride Kriegsführung”.

Am Ende des Tages gab es noch kurze Ansprachen wie wir unsere Bewegungen gegen Anfeindungen verteidigen und Solidaritätsbekundungen mit Julian Assange.

Am Sonntag ging es direkt weiter mit Workshops zu “Klimawandel und Klimagerechtigkeit”, “Imperialisten raus aus Afrika”, “Taktiken um politische Bewegungen zu etablieren” und “Expansion der NATO und Krieg in der Ukraine”. Und im zweiten Set ging es um “Unabhängige Medien”, “Solidarität mit Lateinamerika”, “Antiimperialismus im lokalen Umfeld, Beruf, Schule und Gewerkschaft” und “Schwenk nach Asien”.

Zum Abschluss gab es noch eine Grußbotschaft von Dr. Sidi M. Omar, Botschafter der Frente Polisario (Westsahara).

Dann hat Richie Merino von der Bronx Anti War Coalition mich freundlicherweise eingeladen eine kurze Grußbotschaft zu überbringen, da ich wahrscheinlich der am weitesten gereiste Teilnehmer war. Ich habe Grüße der AIK aus Wien überbracht und eine kurze Episode von unserer Konferenz in Rom erzählt, wo sich im Vorfeld auch Gruppen angemeldet hatten die sich nicht politisch links einordnen. Als dann einige Wochen vor unserer Konferenz die Unruhen in Palästina ausbrachen haben diese Gruppierungen ihre Teilnahme abgesagt. Bei deren Friedensbemühungen geht es nämlich nicht um Gerechtigkeit sondern nur um billige Rohstoffe aus Russland, doch in Palästina  gibt es nichts zu gewinnen und sie wollen keine Partei ergreifen. Ich habe betont wie beeindruckt ich von dieser großen Konferenz war mit all den Teilnehmern die genau diese Werte von Gerechtigkeit und Gleichheit verteidigen. Des Weiteren habe ich unsere Palästinakonferenz in Rom erwähnt und meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass ich vielleicht den ein oder anderen Teilnehmer auf unserer nächsten großen Friedenskonferenz in Europa wieder sehe.

Damit war die Konferenz auch zu Ende und ich muss zugeben, dass ich sehr beeindruckt war so viel antiamerikanische Agitation inmitten der USA zu erleben.

Vielen Dank an Joe Lombardo und sein Team für die Organisation dieses Events.

Mit solidarischen Grüßen aus Düsseldorf

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