
E-Mail-Versand am 11. Februar 2026
Sehr geehrter Herr Präsident Stöger, sehr geehrtes Team des ÖJC,
mit Befremden habe ich (Noch-Mitglied) vergangene Woche Ihr Rundmail erhalten. Daraus ergibt sich eine schwerwiegende Frage: Beteiligt sich der ÖJC jetzt daran, die Pressefreiheit einzuschränken, anstatt, wie es seine Aufgabe wäre, sie zu verteidigen?
Sie kündigen für die Generalversammlung am 13. Februar als Tagesordnungspunkt die Enthebung zweier Personen aus ihrem Amt im Vorstand an. Und als Begründung legen Sie Ihren Mitgliedern allen Ernstes einen minderwertigen Schmutzkübel-Zeitungsartikel von vergangenem Sommer vor, einen von einer Falter-Autorin dahingefetzten Text, der offensichtlich ohne jede journalistische Qualität ist?
Die einzige Argumentation, die sich durch diese „Recherche“ zieht, besteht darin, dass aus Sicht der Falter-Autorin Herr Reinisch die falschen Dinge sagt, von den falschen Demos berichtet, für die falschen Medien arbeitet und mit den falschen Leuten befreundet ist. Ansonsten besteht die sogenannten „Recherche“ darin, alles Mögliche als „prorussisch“, „moskautreu“ usw. zu deklarieren, selbst das Wort „Frieden“. Ein reiner Hetzartikel also, der bloß darauf aus ist, Stimmungsmache zu betreiben und bestimmte Personengruppen an den öffentlichen Pranger zu stellen. Frau Lina Paulitsch hat damit selbst alle Grundsätze eines seriösen Journalismus verraten.
Es ist aber eine Beleidigung des intellektuellen Niveaus und des moralischen Anstands eines jeden ÖJC-Mitglieds, so etwas als Begründung für die Entfernung einer Person aus dem Vorstand vorzulegen. So etwas ist der Schrei nach Zensur, sonst nichts. Ein Vorbild für seriösen und unabhängigen Journalismus gibt der ÖJC damit jedenfalls nicht mehr ab.
Der ÖJC war nicht immer so. Es hat da eine Veränderung im Laufe der vergangenen Jahre gegeben. Als ich den ÖJC kennenlernte und Mitglied wurde, war der Verein sehr stark engagiert in Sachen Julian Assange. Offenbar ist der ÖJC aber inzwischen gekippt, und heute würde er wohl auch bei der Diffamierung von Assange mitmachen.
Den Mitgliedsbeitrag für das laufende Jahr habe ich ohnehin noch nicht einbezahlt. Ich erwarte also meine baldige Entfernung aus Ihrer Kartei. Ich würde es auch als Schande erachten, weiterhin einem solchen rückgratlosen Verein anzugehören, der mittlerweile nicht einmal mehr die Courage hat, einem kleinem Furz vom Falter die Stirne zu bieten.
Hinweis: Dieses Schreiben wird eventuell als „Offener Brief“ veröffentlicht werden. In den Social Media habe ich das Verhalten des ÖJC bereits thematisiert und daraufhin viel Resonanz erhalten: Einhellige Empörung über den ÖJC.
Allen Tendenzen zur Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in Österreich ist in aller Deutlichkeit entgegenzutreten.
Mit freundlichen Grüßen
Mag. Ortwin Rosner