Vor wenigen Tagen erhielt ich ein unfassbares Rundmail des ÖJC (Österreichischer Journalisten Club), unterzeichnet von Präsident Christian Stöger.
Es geht darin um die Generalversammlung am 13. Februar. Auffällig sind dabei zwei Tagesordnungspunkte: Die Enthebung zweier Vorstandsmitglieder, John Herzog und Dieter Reinisch, aus ihrem Amt wird angekündigt.
Zur „Erklärung“ ist dem Mail als PDF ein Falter-Artikel von vergangenem Sommer angehängt, eine angebliche „Recherche“, aber ohne jede journalistische Qualität. Es handelt sich dabei um bloße Diffamierung. Kübel von Schmutz werden über Dieter Reinisch geschüttet. Warum? Weil er aus Sicht des „Falters“ für die falschen Medien arbeitet, die falschen Sichtweisen liefert und von den falschen Demos berichtet. Selbst eine Demo zum Gedenken des Siegs über den Faschismus wird umstandslos in „prorussische“ Demo umgetauft. Wer nicht auf der anti-russischen Linie mitschwimmt, ist sowieso für den „Falter“ „moskautreu“. Und hinter dem Engagement für „Frieden“ verstecke sich eine „prorussische“ Haltung, erfahren wir von der „Falter“-Autorin, die den Text verfasst hat.
Das Unfassbare ist aber, dass der ÖJC beschlossen hat, dem Druck nachzugeben und als Begründung für die Enthebung von Reinisch seinen Mitgliedern allen Ernstes diesen Schmutzartikel ohne jede journalistische Qualität zu servieren.
Ich habe es schon selbst in den vergangenen Jahren mitbekommen, und auch von anderen vernehme ich diese Auffassung: Der ÖJC ist gekippt. Vor einigen Jahren war der noch anders drauf.
Der ÖJC ist im Zuge meiner „Standard“-Veröffentlichungen zum Fall Julian Assange um das Jahr 2020 an mich herangetreten und hat mich aufgefordert, Mitglied zu werden, obwohl ich einbekannt habe, dass ich nicht vorweisen kann, einer Zeitungsredaktion anzugehören. Das macht nichts, war die Antwort. Der ÖJC war damals in Sachen Assange sehr engagiert.
Als ich aber kritische Artikel zu Corona schrieb und der „Standard“ mich daraufhin von seiner Blogseite entfernte, da verschwand das Interesse des ÖJC an mir, ich spürte da auf einmal eine gewisse Frostigkeit. Der Ukraine-Krieg war ein weiterer Impuls: Immer mehr gab der ÖJC seine kritische Haltung auf und ist auf die offizielle anti-russische, Nato-treue Linie gekippt. Dieter Reinisch und John Herzog sind ja nicht die ersten Opfer interner Auseinandersetzungen. Früher mal wurde schon die „Krähe“-Chefredakteurin Liza Ulitzka aus dem Vorstand entfernt.
Vor Jahresende gab es ein Rundmail des ÖJC: Nur mehr, wer regelmäßige journalistische Tätigkeit nachweisen könne, dürfe seine Mitgliedschaft verlängern. Da beschloss ich auszusteigen. Der ÖJC war mir immer unsympathischer geworden, der Mitgliedsbeitrag ist wirklich sehr hoch, und den Presseausweis brauche ich nie. Ich unternahm also nichts.
Ich dachte, ich bin schon längst aus der Kartei, als ich jetzt, Anfang Februar, dieses Rundmail erhielt, das ich als eine Bankrotterklärung des Vereins ansehe, der nicht mal die Courage hat, einem Furz vom „Falter“ die Stirne zu bieten. Ein Vorbild für unabhängigen und seriösen Journalismus gibt der ÖJC damit jedenfalls nicht mehr ab.
Eine Möglichkeit, den Vorfall in einem alternativen Medium publik zu machen, habe ich leider nicht erhalten. Darum schreibe ich hier bloß dieses Posting. Aber auf alle Fälle wird der ÖJC noch ein gesalzenes „Abschiedsmail“ von mir bekommen.
Ortwin Rosner