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Faschismustheorie ist politisch!

20. Februar 2023
Von T. Zechner

Diskussionbeiträge zum Seminar "Antifa als Instrument der Herrschenden?" am 25. Februar 2023 in Wien


Die Ära des Faschismus stellt durch die systematische Bekämpfung selbstständiger sozialistischer Organisationen, der Zerstörung der demokratischen Kultur und einem alles durchdringenden Chauvinismus (der im Antisemitismus der deutschen Nationalsozialisten gipfelte), eine einschneidende Veränderung in der jüngeren europäischen Geschichte dar. Obwohl die Zeitzeuginnen und Zeugen weniger und weniger werden, lässt uns das Thema doch keineswegs los. Ganz im Gegenteil.

Der Eigenname „Faschisten“ den sich italienische Paramilitärs 1919 selbst gaben und 1921 – etwa ein Jahr vor ihrem sogenannten „Marsch auf Rom“ – auf ihre Partei übertrugen, wird heute im allgemeinen Sprachgebrauch aus gutem Grund als Beleidigung verwendet. Damit der subjektive Ausdruck der Empörung aber auch verstanden werden und ein politisches Niveau erreichen kann, setzt der Faschismus-Vergleich eine gemeinsame Theorie davon voraus, was Faschismus ist. Sie muss sinnvollerweise auf die jeweilige Situation angewendet werden können.

Die antifaschistische Parteidisziplin die von linksliberaler Seite permanent eingefordert wird, lässt sich jedoch kaum aus einem gemeinsamen historischen Verständnis davon, was Faschismus ist, herleiten. Welche Faschismus-Vergleiche in der Öffentlichkeit akzeptiert werden und welche als Verharmlosung gelten, hat in der Gesamtheit nur sehr oberflächlich mit dem wissenschaftlichen Niveau bzw. der Ausdrucksfähigkeit zu tun. Auch in der Faschismusfrage gibt es Machtverhältnisse, die den Diskurs bestimmen. Allerdings wird kaum offen darüber gesprochen welche Norm hinter der „normalen“ Antifa Haltung stehen und wie sich diese in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben.

Der Austausch in diesem Sinn kann die Frage, was Faschismus ist, nicht endgültig lösen. Eine gewisse Pluralität und lebhafte Diskussion ist absolut förderlich. Doch wir können eine Diskussion jenseits der Linie der Europäischen Union[1], zu unseren Bedingungen beginnen um ein selbstständiges Bewusstsein auszudrücken, zu fördern und weiter zu entwickeln.



[1]     https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/RC-6-2009-0165_EN.html?redirect

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