Anteilnahme

18.01.2020
Von Aug und Ohr
Zum Tod des Genossen Karl Fischbacher
Karl Fischbacher
Ich möchte meine irdische Betroffenheit über das natürliche Phänomen des Todes mit diesem Text ausdrücken, aber auch das Entsetzen darüber, wie politische Arbeit durch den physischen Tod in gewissem Sinne vernichtet wird!
 
Sie wird nicht vernichtet, so widerspreche ich mir selbst, da es ja den, wie die Juden sagen, sikorn, die Erinnerung gibt, auch Bloch hat darüber gesprochen, die Erinnerung, die versucht, eine Gegen-Gewalt gegen die Furie des Verschwindens aufzustellen; aber wir sind in diesem "Zusammenhang" doch immer mit dem Problem konfrontiert, daß sonderbarerweise mit dem Hingang eines Menschen, der sich in einen großen Gedanken, in eine Bewegung mit Tat und Schrift eingebracht hat, immer ein sonderbares lähmendes Nihil verbunden ist.
 
Man ist nämlich versucht, sich ein wenig schreckensbetäubt vorzustellen, daß mit dem physischen Hingang letztlich das Gespenst der Futilität wissenschaftlicher oder politischer Arbeit auftaucht: ein frustra, ein langsames Sich-Hinabsenken der vielfältigen ehemaligen Bemühung in den Lethe-Strom. Es ist aber ein pseudos. Schon früh war ich, beim Hingang von Krahl und Adorno, damit konfrontiert. Es lähmte mir die weitere Beschäftigung mit deren Werken. Sonderbar! Die Furie des Verschwindens hatte mich hinterrücks im Griff. Sogar mit dem Genossen Grünwald ging es mir ein wenig ebenso. Aber da wir ewig leben, können wir ja später neu daran ansetzen ...
 
Unsere Aufgabe ist es, comunque, sich dagegen zu wehren! Es wäre insbesondere von Bedeutung, abgesehen vom tiefen Beileid, das an die Witwe zu richten ist, und an die Freunde, und an die politischen Freunde, für diejenigen, die mit der Geschichte des österreichischen Trotzkismus nicht allzusehr vertraut sind (und darunter zähle ich auch mich, der ich lange Zeit in Deutschland und Italien, arbeitend, lebte, wo der Trotzkismus keine allzugroße Rolle spielte, im Gegensatz etwa zu Frankreich), die Geschichte seines Wirkens im Kontext des österreichischen Trotzkismus zu zeichnen, und dies erhoffe ich mir auch von seinen Schülern.
 
Sagte mir nicht jemand vor einiger Zeit: Er war mein Lehrer, von ihm hab ich zunächst alles erfahren? Ja, dies ist, neben sikorn, die zweite wichtige Kategorie: Dankbarkeit. Dies erinnert mich an einen Genossen, der in der Gewerkschaft Konsequente Interessensvertretung aktiv war. Er erzählte mir, wie für ihn bedeutend für ihn, den Kommunisten, sein Mentor, Freund Paul Chaim Eisenberg war - der sich übrigens sehr versöhnlich über das Verhältnis von Juden und Palästinensern ausgedrückt hat. Auch dort Dankbarkeit! Die von Karl (mit)gestaltete Website ermöglichte mir die Publikation aller meiner Beiträge (eines gewissen Zeitraums, und das ist in Österreich selten. Wenn klassenkämpferische Juden nach Österreich kamen, wurde dies immer treulich von Labournet Austria dokumentiert. Gerade im Angesicht der gegen die Trotzkisten hetzenden prozionistischen anarchistischen Hetzer (die Trotzkismus offenbar für einen Gottseibeiuns halten, und diese Hetze kommt hauptsächlich aus Deutschland, wie denn nicht, und wird hierher importiert, wie denn nicht!), wäre eine Gesamtbewertung der Aktivitäten, des Engagements des Genossen Fischbacher, eine übersichtliche Geschichte, eine Neubewertung des hiesigen Trotzkismus ein Anlaß für das Gedenken.
 
Den Juden und Nichtjuden, die den Zionismus, also einen der ärgsten Feinde des Kommunismus, propagieren, muß es ein Dorn im Auge sein, daß ein Jude der Chef des Heeres der Bolschewisten war! Sein Fehler war, daß er nicht Stalin anbetete - der ja auch ein großer Vernichter des Judentums war. Das können die Prozionisten dem Trotzkismus nicht verzeihen. Der Zionismus vernichtet das Judentum, so wie der Stalinismus es zu vernichten versuchte. Schreiende Widersprüche bleiben über den ravage der Todessichel von Freund Hein hinweg erhalten. Na ist das nicht eine Hoffnung auf Überleben?
Verweise