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Kurdische Frage und syrische Opposition

Teil IV: Syrien, die Türkei und die arabische Revolte

4. Januar 2012
von Wilhelm Langthaler
Demokratische Rechte für das kurdische Volk (einschließlich des Rechts auf nationale Selbstbestimmung) sind ein machtvolles Werkzeug für den Erfolg der syrischen Revolution - und sowohl türkischen als auch imperialistischen Interessen entgegengesetzt.

vor zu Teil III

Die PKK und ihre Milieu indes sind überzeugt davon, dass der SNC und die gesamte Aufstandsbewegung im Dienste der Türkei und gegen die kurdischen Interessen stehen. Gleichermaßen überzeugt sind gewisse panarabische Milieus, jedoch vom genauen Gegenteil. Der Aufstand wolle das Land mit Hilfe der Kurden spalten und die arabische Sache im Interesse des Imperialismus schwächen.

Jahrzehntelang wurden die Kurden unterdrückt und haben sich zur Wehr gesetzt. Als die demokratische Bewegung in Syrien ausbrach, zögerten die Kurden jedoch sich ihr anzuschließen. Denn die Stellung der arabischen Bewegung zu den Kurden war nicht offensichtlich. Nur indem ihnen volle Rechte eingeräumt werden, können sie in die Bewegung gezogen werden und der Plan des Regimes, die Minderheiten gegen sie einzusetzen, durchkreuzt werden. Zudem sind die kurdischen Rechte das wirksamste politische Mittel gegen die Türkei, die keinen demokratischen Präzedenzfall für ihre eigenen Kurden schaffen will.

Für das kurdische Selbstbestimmungsrecht einzutreten, steht nicht im Widerspruch zum Kampf für die Einheit Syrien und selbst nicht gegen die arabische Einheit oder jene des Mittleren Ostens. Formale Einheit ist von geringer Bedeutung und bricht unter imperialistischem Druck nur allzu leicht auseinander. Eine Vereinigung ist nur dann stark und dauerhaft, wenn sie auf freiwilliger Grundlage vollzogen wird. Gegenwärtig bietet sich dem arabischen Volk Syriens eine einmalige historische Gelegenheit des freien Zusammenschlusses mit dem kurdischen Volk. Gleichzeitig das Recht auf Selbstbestimmung einräumen und zu einem neuen, gemeinsamen, demokratischen Syrien einladen. Das hätte Vorbildwirkung für die ganze Region. Nur mit dieser Methode kann das panarabische Projekt wiederbelebt werden. Ansonsten bleibt es eine ideologische Chimäre die de facto dem Imperialismus bei der Spaltung der Völker des Mittleren Ostens in die Hände spielt. Um dem entgegen zu wirken ist zuerst die dominante Nation, also die arabische, in der Pflicht. Die Minderheiten und Nationalitäten werden reziprok handeln, sobald sie die praktische Erfahrung der Garantie ihrer Rechte gemacht haben. Sonst tendieren sie dazu, sich als Instrumente imperialistischer Interessen missbrauchen zu lassen.

2. Januar 2012

Einleitung: Syrien, die Türkei und die arabische Revolte

Teil I: Geopolitiker versus Revolutionäre

Teil II: Wo steht die arabische demokratische Revolte?

Das arabische ancien regime
Die arabischen Volksmassen auf der Bühne
Eine neue Rolle für die Islamisten?
Amerikanische Umarmung
Der Fall Libyen

Teil III: Syrien – wer ist da antiimperialistisch?

Erste Phase: friedlich und antiinterventionistisch
Westliches Zögern
Die Türkei als zentraler Spieler und Modell
Das Asad-Regime
Zweite Phase: Abgleiten in den Bürgerkrieg
Die Opposition und der Syrische Nationalrat (SNC)
Szenarien nach Asad

Teil IV: Kurdische Frage und syrische Opposition

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