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„Straße unter Kontrolle der Rechten“

Führender Aktivist der ukrainischen Linken sprach in Wien


15. Juni 2014
Von Wilhelm Langthaler

Auf Einladung der Antiimperialistischen Koordination (AIK) sprach Sergej Kiritschuk von der linken Organisation Borotba („Kampf“) am 13. Juni 2014 im Wiener Österreichisch-Arabischen Kulturzentrum (Okaz).


Sein Bericht über die Lage aus den Gebieten unter Kontrolle der neuen Kiewer Regierung ist dramatisch. Trotz des schwachen Wahlergebnisses für die offenen Faschisten beherrschen diese nicht nur die Straße, sondern Teile der Sicherheitsapparate. „Die Nationalgarde ist eine legale Form des Faschismus.“ Während in Kiew und Lwiw/Lwow die Rechte laut Kiritschuk über politische Hegemonie verfügt, gilt das nicht für die Großstädte Charkiw/Charkow und Odessa. Dadurch ist dort die Repression besonders heftig, die von faschistischen Gruppen unter Duldung oder Beteiligung der offiziellen Sicherheitsorgane betrieben wird. Sergej Kiritschuk berichtete von der Zerstörung ihrer Lokale, den Angriff auf Demonstrationen sowie von Entführungen.

 

Das zwang die gesamte Führung ihrer Organisation zur Flucht. Er selbst stammt aus Kiew, flüchtete in der Folge nach Charkiw und sah sich schließlich gezwungen, das Land zu verlassen.

 

In der Diskussion meinte ein Teilnehmer, dass diese Vorwürfe allerdings für beide Seiten gelten würden. „Die Rebellion im Osten ist nicht von Engeln gemacht und natürlich gibt es einen reaktionären russischen Nationalismus“, so Kiritschuk. Doch laut dem ukrainischen Aktivisten gibt es sowohl sozial als auch politisch einen qualitativen Unterschied. Im industrialisierten Osten seien es die unteren Schichten und die Arbeiter, die aufgestanden seien. Daher handelt es sich um eine antioligarchische Rebellion, die massiv soziale Forderungen auch gegen die prorussischen Neokapitalisten erhebt. Zudem komme die antifaschistische Tradition des Zweiten Weltkriegs dazu. Auf der anderen Seite stehe der Mittelstand, der zwar gegen die prorussischen Oligarchen rebelliert, sich im gleichen Atemzug aber den proukrainischen Oligarchen und den Westen ausgeliefert habe. Für linke Ideen sei im Osten zumindest Platz, im Westen würden sie brutal unterdrückt. Das widerspreche nicht der offensichtlichen Tatsache, dass „die eine Hälfte der Bevölkerung Illusionen in die EU, die andere in Russland hege.“

 

Seitens der AIK wurde eine Initiative vorgeschlagen, die die Donbasser Volksrepubliken als Verhandlungspartner propagiert. Politische Grundlage ist der Wunsch der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung (und übrigens auch der deutschen) auf eine friedliche Zusammenarbeit mit Russland, für einen Waffenstillstand und Verhandlungen hin zu einem neutralen Status der Ukraine. Demokratische Rechte schließt immer auch die Selbstbestimmung ein, dessen beste Lösung ein starker Autonomiestatus für den Südosten wäre.

 

Ein umfassender Bericht folgt. Hier ein Interview mit Sergej Kiritschuk:

www.antiimperialista.org/de/node/244524

 

Weitere Informationen:

www.antiimperialista.org/de/node/244510

 

 


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