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Doppelmoral, Dämonisierung und das Schweigen des Westens: Warum wir das Iran-Narrativ hinterfragen müssen

8. März 2026

Am 28. Februar hat sich Benjamin Netanyahu einen jahrzehntelangen Traum erfüllt und den Iran bombardiert. Mit von der Partie ist Donald Trump. Gleich am ersten Tag schlachtet ein Kinderschänder und ein Kindermörder unschuldige Mädchen ab, indem sie eine Schule bombardieren. Das war kein Versehen, das war die gezielte Ermordung von 160 Menschen darunter hauptsächlich unschuldige Kinder.

Und wo bleibt der Aufschrei des Westens?

Wie immer bedient sich Benjamin Netanjahu einer bekannten Strategie: Er aktiviert antimuslimische Feindbilder – die wir auch in Österreich nur zu gut kennen – und greift zur bekannten Waffe, indem er den Iran mit Hitler vergleicht und dessen Führung Antisemitismus unterstellt.

Bereits nach dem Angriff im Juni letzten Jahres erklärte er:

„Wir haben iranische Nuklearwissenschaftler ins Visier genommen – das ist im Grunde Hitlers Nuklearteam. Wir haben sie fertig gemacht.“

Abgesehen davon, dass solche Vergleiche die Geschichte des Holocausts instrumentalisieren und deren Opfer sowie das „niemals wieder“ verhöhnen, was ist das für ein Ton? Das ist die Sprache der Entmenschlichung.

In Österreich müsste Netanyahu übrigens für diesen Vergleich wegen Holocaust-Relativierung angeklagt werden. 

Aber anstatt sich von solchen Aussagen Netanyahus zu distanzieren, plant unser Bundeskanzler eine Reise nach Israhell um die dicke Freundschaft zwischen Israel und Österreich zu feiern.

Wundert uns das? Die Instrumentalisierung des Holocausts ist in Österreich längst Teil politischer Praxis. Auch in Österreich wird Antisemitismus nicht nur bekämpft, sondern strategisch eingesetzt um Rassismus gegenüber MuslimInnen zu rechtfertigen.

Ich erinnere nur an das Schlagwort vom „importierten Antisemitismus“.

Wie verlogen ist es, Antisemitismus zu bekämpfen – und ihn zugleich politisch zu instrumentalisieren?

Aber die Realität im Iran passt nicht ins westliche Feindbild – also wird sie ausgeblendet, denn die gesellschaftliche Realität im Iran sieht anders aus als uns der Staatsfunk glauben lässt!

Denn anders als zum Beispiel in Österreich wird im Iran religiöser Pluralismus nicht nur geprädigt sondern auch gelebt.

Im Iran leben derzeit etwa 10.000 Juden. Die Gemeinde besteht seit 2500 Jahren und gehört zu den ältesten kontinuierlich bestehenden Diasporagemeinschaften der Welt. Dort öffnen Synagogen jeden Morgen ihre Türen und schließen sie in der Nacht und vor deren Türen müssen keine Polizisten stehen wie das in Österreich der Fall ist.

Juden im Iran sind Teil des sozialen und kulturellen Lebens des Landes. Feste und Traditionen sind miteinander verwoben.

Die iranische Verfassung erkennt religiöse Minderheiten an. Für die jüdische Gemeinde ist ein Sitz im Parlament vorgesehen. Ebenso sind armenische Christen als konstitutionell geschützte Minderheit vertreten.

Christen, Juden und Muslime leben nebeneinander. Sie respektieren gegenseitig ihre religiösen Gesetze. 

Im Alltag wird auf religiöse Verpflichtungen Rücksicht genommen. Wenn jüdische Feiertage wie Shavuot mit Prüfungszeiten zusammenfallen, können jüdische Schülerinnen und Studenten ihre Examen verschieben. Wohlgemerkt: Shavuot gehört nicht zu den höchsten Feiertagen des Judentums wie Jom Kippur oder Pessach – und dennoch wird darauf institutionell Rücksicht genommen.

In Österreich hingegen wird das Fasten im Ramadan an Schulen zum Problem erklärt. Lehrkräfte und Vertreter der Lehrergewerkschaft schlagen Alarm, weil immer mehr Schülerinnen und Schüler fasten. Statt Rücksicht zu üben, und die religiöse Praxis von MuslimInnen zu respektieren wird sie zum Problem erklärt.  

Im Iran hingegen wird religiöse Identität nicht problematisiert, sondern respektiert.

Die Menschen im Iran haben auch verstanden, dass Judentum eine Religion ist und Zionismus eine rassistische koloniale Ideologie die es gilt zu bekämpfen und die jüdische Gemeinde im Iran beteiligt sich an diesem Kampf denn im Gegensatz zur Mehrheit der jüdischen Gemeinden im Westen identifizieren sich iranische Juden mit dem Iran und sind Antizionisten.

In Österreich versucht die jüdische Gemeinde nicht einmal die Trennung zwischen Judentum und Zionismus vorzutäuschen – im Gegenteil vor der großen Synagoge in Wien hängt eine Israelfahne. 

Und während hier vom angeblich „antisemitischen Iran“ gesprochen wird, erleben wir in Österreich folgende Realität des Rassismus gegeüber MuslimInnen:

Die Vizebürgermeisterin von Freistadt äußert sich zum geplanten Bau einer Moschee in Freistadt – ich zitiere:

„Religionsfreiheit ja, aber ein Minarett passt nicht ins Ortsbild von Freistadt. In Oberösterreich gibt es bisher keine Minarette – und auch in Freistadt sollte es aus meiner Sicht keines geben.“

So sieht religiöser Pluralismus in Österreich aus.

Frau Vizebürgermeisterin reisen sie doch mal in den Iran und lernen sie wie Religionsfreiheit und Miteinander unterschiedlicher Communities geht. Dort stehen Synagogen, Kirchen und Moscheen in unmittelbarer Nähe zueinander. In diesem muslimischen Land ist jüdisches Leben sichtbarer Teil des öffentlichen Raums.

Ich finde, unser Bundeskanzler Christian Stocker und unserer Außenministerin sollten ebenfalls so bald als möglich in den Iran reisen.  Denn sie beide reden von „wahllosen Angriffen des iranischen Regimes“. Ich zitiere unsere Außenministerin: 

„Österreich verurteilt nachdrücklich die unprovozierten Angriffe auf Bahrain, Irak, Jordanien, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die VAE.“

Vielleicht würde ein Perspektivwechsel helfen zu begreifen, was es bedeutet, im Iran unter der ständigen Bedrohung israelischer und amerikanischer Luftangriffe zu leben.

Wenn ein Land militärisch angegriffen wird, wenn hochrangige Vertreter gezielt getötet werden, wenn Bomben auf staatliche Infrastruktur fallen – dann beginnt die Geschichte nicht erst bei der Antwort darauf.

Es ist schon lange an der Zeit, dass wir das Narrativ, das uns unsere Politiker:innen und die Staatsmedien präsentieren, hinterfragen.
Denn die Geschichten, die wir täglich hören, sind sind durchzogen von einem tief verwurzelten Blick auf die Welt, der den Globalen Süden entmenschlicht und dämonisiert.

Das sind rassifizierte Deutungsmuster die den Westen als „normal“ und „zivilisiert“ erscheinen lässt, während der „Orient“ als das absolut Böse dargestellt wird. 

Es ist schon lange an der Zeit, dass wir aufhören, den Globalen Süden zu belehren. Denn wir leben in einer Welt die seit Jahrhunderten von Kolonialismus, imperialer Dominanz und der Vorherrschaft weißer, globaler Machtstrukturen geprägt ist. 

Wir stehen hier in Solidarität mit dem Iran.

Free Palestine.

Free the world from white supremacy!

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