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USA: Soldaten im aktiven Dienst und Veteranen stellen die Lügen des 4. Juli in Frage

23. Juli 2026

Kriegsgegner unter den Veteranen der US-Streitkräfte und aktive Militärangehörige entfesselten an diesem 4. Juli-Wochenende ihren breitesten Widerstand seit Jahrzehnten, als ob sie durch die Orgie von Militarismus und White Supremacy (weißer Vorherrschaft) der derzeitigen Administration während der 250-Jahr-Feierlichkeiten zum Handeln provoziert worden wären.

Noch vor Beginn des Wochenendes bestieg USAF-Major Jason Watson, ein aktiver Soldat mit mehr als 20 Jahren Militärkarriere, am 1. Juli die Stufen des US-Kapitols in Washington, D.C., und hielt ein Schild mit der Aufschrift „Impeach Convict Remove“ (Amtsenthebung, Verurteilung, Entfernung), das sich auf den derzeitigen Präsidenten bezog.

Am 4. Juli organisierte die Koalition Veterans Against Fascism in Philadelphia Hunderte von Veteranen und aktiven Soldaten, die bei einer Parade „Independence from Billionaires“ (Unabhängigkeit von Milliardären) marschierten. Die Teilnehmer bezeichneten es als die größte Protestaktion speziell von Veteranen, die sie seit den Protesten während des Vietnamkriegs erlebt hatten. Und als eine, bei der sie wachsende Unzufriedenheit von aktiven Soldaten hörten.

Die dritte wichtige Aktion ist für den 7. Juli in New York City geplant. Organisatoren von Veterans For Peace, Fellowship of Reconciliation und Center on Conscience and War werden an die Tausenden von Matrosen, die anlässlich der Fleet Week in New York sind, Flugblätter verteilen. Sie laden Matrosen, die mehr Informationen über die Beantragung des Status als Kriegsdienstverweigerer oder über den Bruch von Verpflichtungsverträgen wünschen, von 11 bis 20 Uhr ins People’s Forum in der Manhattan-Innenstadt ein, wo Präsentationen, Filme, Diskussionen und Rechtsberatung angeboten werden.

Die Fragen, die langjährige Veteranenaktivisten bei diesen Protesten aufwerfen, sind: Wie weit verbreitet ist die Unzufriedenheit? Wozu wird sie führen? Wann wird offener Widerstand entstehen? Die Beteiligung in Philadelphia deutet auf wachsende Unruhen in den Reihen hin. Was können zivile Kriegsgegner tun, um Widerständler innerhalb des Militärs zu unterstützen?

Die Korrespondenten von Workers World, Joe Piette, ein Veteran des Vietnamkriegs, und Michael Kramer, der im israelischen Militär diente, bevor er sich als Aktivist für die Befreiung Palästinas engagierte, waren bei dem Protest am 4. Juli dabei. Beide sind in Antikriegsbewegungen der Veteranen in den USA aktiv. Piette schrieb folgenden Bericht:

Philly: Veteranen und aktive Soldaten marschieren gegen den Krieg

Mit dem Ruf „Keine Kriege der Reichen mehr“ marschierten am 4. Juli Hunderte von Veteranen und aktive Soldaten bei einer Parade unter dem Motto „Independence from Billionaires“ in Philadelphia.

Die Veteranen und aktiven Soldaten, die aus so weit entfernten Orten, wie Kalifornien, Maine und Florida kamen, stellten die Mehrheit der großen „Peoples Parade“ während eines eine Meile langen Marsches dar, der von einem blau-roten Banner mit der Aufschrift „Independence from Billionaires“ (Unabhängigkeit von Milliardären) angeführt wurde.

Kritisch gegenüber Massenabschiebungen, erzwungener Vertreibung, der Klimakrise und internationalen Kriegen, organisierten lokale und nationale Gruppen die Veranstaltung als Gegenprogramm zum offiziellen 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung.

Der Block von Veterans Against Fascism zeigte Dutzende von schwarz-weißen Schildern und Bannern, die sich gegen die endlosen Kriege der USA richteten. Die Schilder griffen ICE-Entführungen und Faschismus an, während die Militärveteranen und ihre Familien trotz Temperaturen von über 100 Grad Fahrenheit (38 °C) auf die Straße gingen.

Aktive Militärangehörige, die die US-Unterstützung für den Völkermord in Palästina ablehnen, marschierten Seite an Seite mit Veteranen der US-Kriege gegen Afghanistan, Irak und Vietnam.

Eine kurze Kundgebung fand in der Nähe der Independence Hall statt, wo vor 250 Jahren die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet wurde. Vertreter von Veterans For Peace, About Face, Military Families Speak Out und der Fayetteville Resistance Coalition betonten die Notwendigkeit, dass Militärangehörige, ob aktiv oder nicht, sich gegen ungerechte Kriege und Angriffe auf demokratische Rechte aussprechen. Die Redner betonten das Recht aktiver Soldaten, illegale oder unmoralische Befehle zu verweigern.

Workers World fragte Piette und Kramer nach ihrer persönlichen Reaktion.

Piette: Zunächst einmal erinnerte mich die Stimmung an Dewey Canyon III, den einwöchigen Protest der Veteranen auf der Mall in Washington im April 1971. Nicht so massiv oder konfrontativ, aber allein das gemeinsame Sehen bei dieser Veranstaltung schien allen mehr Selbstvertrauen zu geben – es schien viel Potenzial für zukünftige Aktionen zu geben.

Ich sprach mit einem aktiven Mitglied der Nationalgarde, das eine Mütze der Philadelphia Eagles trug. Er stand mit etwa einem Dutzend anderer aktiver Soldaten bei den Bannern. Er sagte, die Leute würden nichts sagen, wenn sie in Uniform seien, aber untereinander außerhalb des Dienstes würden sie reden.

Er betonte, dass der Völkermord in Gaza ihn verändert habe. Er wolle nicht mehr in einem Militär sein, das den Völkermord unterstütze, und er unternehme Schritte, um auszuscheiden. Er war froh, unter anderen Militärangehörigen zu sein, die seine Ansichten teilten.

Eine Marine-Soldatin, die nach 13 Jahren aus dem Dienst ausgeschieden war, trug eine Kufiya. Sie sagte, sie sei nur für diesen Marsch aus Kalifornien eingeflogen. Sie sei es leid, überall, wohin sie geschickt werde, die Feindin zu sein. Es war ein langsamer Lernprozess, eines nach dem anderen, bis es für sie keinen Sinn mehr ergab, beim Militär zu bleiben.

Während ich Fotos machte, hatte ich kurze Gespräche mit den Leuten, die die weißen Banner auf schwarzem Grund hielten. Ein Veteran sagte mir, er habe das Gefühl gehabt, dass die Bevölkerung jedes Landes, in das die Armee ihn geschickt habe – Irak und Afghanistan – ihn gehasst habe. Er fühlte, dass er auf der falschen Seite sei. Ich sagte ihm, dass ich seit Vietnam davon ausgehe, dass die USA immer auf der falschen Seite seien. Er stimmte zu.

Und das war eine allgemeine Antwort, die ich von einigen anderen Veteranen bekam. Die endlosen Kriege haben sie erschöpft, und sie glauben nicht mehr an die Lügen, die ihnen erzählt werden, warum sie an diese Orte geschickt werden.

Kramer: Zwei oder drei Dinge beeindruckten mich an dem Marsch und der Kundgebung. Zum einen war das Publikum jünger als bei den meisten Veteranenaktivitäten, die ich in letzter Zeit besucht habe. An diesen nahmen hauptsächlich Vietnam-Veteranen teil, weniger von Veteranen der Golfkriege oder Afghanistans, die 25 bis 35 Jahre jünger sind. Außerdem war Anteil der Männer aus der Vietnam-Ära größer.

Viele der Organisatoren des Marsches in Philadelphia waren Frauen. Das heutige US-Militär selbst besteht zu etwa 20 % aus Frauen, seit 2010 zu über 15 %. Dies spiegelte sich in der Zusammensetzung der Demonstranten wider. Und der Marsch war bemerkenswert für seine Disziplin, berichtete Kramer.

Lokale Medien ignorierten es

Obwohl das VAF-Kontingent einen großen Teil des Protests ausmachte, gab es in den lokalen Medien Philadelphias zumindest in den nächsten zwei Tagen keine Berichterstattung. Vielleicht zeigt dies, dass das Establishment zögert, einen so wesentlichen Bereich des Widerstands zu ermutigen. Für die Menschen in der Anti-Kriegsbewegung war es ein Ruck in eine positive Richtung.

workers.org/2026/07/93654/amp

Joe Piette, Michael Kramer und John Catalinotto

8. Juli 2026

 

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