Das Beispiel, das Schule gemacht hat

28.05.2021
Von R. Brunath
Laute Kritik aus „Europa“ sei nötig, „schon allein, weil das Beispiel nicht Schule machen sollte“, beschreibt die „FAZ“ die Landung des Ryanair-Fluges in Minsk und ist sich dabei der Vergesslichkeit ihrer Leser sicher.

Also erinnern wir uns: 

=> 2013 wurde das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten Evo Morales gezwungen, in Wien zu landen, weil die US-Geheimdienste Edward Snowden an Bord vermuteten

=> 2004 zwangen die USA das Flugzeug des ehemaligen russischen Finanzministers Andreij Wawilow zur Landung in Palm Beach.    

=> 2012 zwangen türkische Kampfjets eine Passagiermaschine auf dem Weg von Moskau nach Damaskus zur Landung in Ankara.                                                                                                     

=> 2016 zwang die Ukraine ein Flugzeug der belorussischen Fluglinie „Belavia“ zur Umkehr nach Kiew. Ziel war die Verhaftung des Journalisten und Anti-Maidan-Aktivisten Armen Martirosyan. Usw....

Ihr eigenes Sündenregister hindert EU, USA und NATO nicht daran, Geifer und Mordio zu schreien und mit neuen Sanktionen gegen Belarus um sich zu werfen -  aber auf den Import belorussischer Rohstoffe möchte man dennoch nicht verzichten. Das ginge doch zu weit – kommentiert man. Verbal aber bemühen sich alle möglichen Wichtigtuer, so sogar der ex-Außenminister Sigmar Gabriel, der es immer noch nicht verknusen kann, dass man ihn geschasst hatte.                                                                                                                                                 

Von „Entführung“ bis „Staatsterrorismus“ ist alles dabei. Die Empörung wird hoch gekocht weil man ohnmächtig dem Fakt gegenüber steht, dass ein Flug zwischen EU- und NATO-Mitgliedstaaten in einem Drittland landen musste. Und tut so, als gäbe es Luftkorridore zwischen einzelnen Staaten und keine Hoheitsgebiete, über die die einzelnen Staaten nach dem „Chicagoer Abkommen“ die „volle und ausschließliche Souveränität besitzen“.

Und wer ist der verhaftete 26-jährige „Oppositionelle“ Roman Protassewitsch? Der wurde mit 16 Mitglied der nationalistischen Organisation „Junge Front“, reiste mit 17 nach Kiew, um auf dem Maidan mitzumischen, und schloss sich danach der faschistischen Miliz „Regiment Asow“ an, um gegen die Volksrepubliken des Donbass zu kämpfen. Man fühlt sich an die Nawalny-Story erinnert.

 

Rainer Brunath, 26.5.2021